(English below)
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Im Rahmen der Veranstaltungswoche «UP AGAINST – anarchistische & künstlerische Prozesse» die in der Woche vom 9. bis 14. Oktober in Zürich stattfindet, veranstalten wir einen Theaterworkshop.
Anhand des Theaterstücks «Bezahlt wird nicht» von Dario Fo aus den 70igern, möchten wir mit euch zusammen in diesen Tagen über einige Szenen dieses Stückes diskutieren, auf einen heutigen Kontext interpretieren, spielerisch umsetzen und schlussendlich aufführen. Die Sprache des Theaterstücks mit dem wir uns im Workshop befassen ist Deutsch.
Eine grundlegende Aussage des Stücks beruht darauf, dass die Existenz der (proletarischen) Menschen nur einen einzigen Zweck erfüllt, nämlich die Maschinen der Fabriken am laufen zu halten und für das Kapital zu produzieren. Dass Menschen schon von klein an zu Schrauben herangezogen werden, die die Maschinen zusammen halten. Sehen wir das noch so, mit unseren heutigen sozialen Hintergründen? Wie erleben wir Unterdrückungsmechanismen?
Auch wir werden in unserer Inszenierung von einer Plünderung ausgehen, da sie in unserem Kontext immer wieder gewagt wird und unsere Herzen (oder Bäuche?) erwärmt. Eine solche Enteignung werden wir als rasante Startrampe benutzen, um in den folgenden Darstellungen mit verschiedenen sozialen Fragen (die wir gemeinsam bestimmt haben) zu arbeiten, uns auf humorvolle Weise damit auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen. Wie Dario Fo im seinen einleitenden Worten schreibt, möchten auch wir am Ende der Aufführung mit dem Publikum diskutieren und es so in einen aktiven Prozess über die „gespielten“ Situationen einbinden…
Eingeladen sind alle die sich von der Grundidee angesprochen fühlen, egal ob sie bereits Theatererfahrung haben oder nicht.
Hier gibts eine elektronische PDF-Version des Originaltext. Das Stück lässt sich aber auch auf Papier ausgedruckt in Kernstrasse 14 in Zürich (Flyerständer) finden. Zur Teilname ist die Kenntnis des Originalstücks vielleicht von Vorteil aber nicht Bedingung.
Probedaten:
- Mittwoch 11.10.17 18.00uhr bis 23.00uhr
- Donnerstag 12.10.17 18.00uhr bis ca 23.00uhr
- Freitag 13.10.17 18.00uhr bis ca 23.00 uhr
- Samstag Abend: Aufführung am UP AGAINST genaue Zeit und Ort noch offen
Wir werden uns für die Proben um 18.00 Uhr im Konzert/Barraum des Kochareals treffen.
Da das ganze relativ spontan angesagt ist und wir schlecht abschätzen können wie viele Leute sich daran beteiligen möchten, dürft ihr euch gerne schon im Vornherein per email „anmelden“.
bezahltwird_nicht@gmx.ch
Wir freuen uns auf euch,
Gaja Plunder
Einige Auszüge aus der Einleitung von „Bezahlt wird nicht!“ (geschrieben von Dario Fo)
Bezahlt wird nicht! Sagen italienische Frauen, setzen im Supermarkt die Preise herunter, laden sich die Taschen voll und gehen als Schwangere getarnt nach Hause. Die Farce fängt an: die Ware muss versteckt werden, weil die Männer gegen illegale Aktionen sind. So beginnt ein Verwechslungsspiel mit zwei Hausfrauen, zwei Arbeitern, zwei Polizisten, einem Sargträger und der Heiligen Eulalia. Wir sind keine „seriösen Marxisten“, sagt Dario Fo, wir sind Flegel, und wie allen Flegeln dieser Welt gefällt es uns zu lachen.
(…Doch zurück zu «Bezahlt wird nicht». Die Farce entstand im Sommer 1974. Zu jener Zeit sprach man von einer unmittelbar bevorstehenden Krise, von zu erwartenden Kämpfen der Arbeiterklasse gegen die hohen Lebenshaltungskosten, von ganzen Fabriken , die kurzarbeiten gingen….)
(…Wir haben vorausgesagt, dass die Unternehmerklasse die Arbeiterklasse mit grösstem Zynismus und mit grösster Wucht attackieren würde, um sie in die Knie zu zwingen…)(…Wir haben ferner vorausgesagt, dass die Arbeiterklasse, die Menschen in den Stadtrand-Gettos, darauf mit eigenmächtigen Herabsetzungen der Preise für Strom, Gas und Miete reagieren würden und dass sich eine weitere grosse Erfindung des kämpfenden Proletariat sich ausbreiten würde: Den Einkauf in den Supermärkten zu angemessenen Preisen…)
(…«Es reicht nicht mehr aus, zu streiken», sagen die Arbeiter, «ja, in einer gewissen Weise tust du dem Unternehmer noch einen Gefallen….und deshalb musst du ihn bei den Waren treffen.» Die Waren des Unternehmers sind genau die Sachen, die der Arbeiter produziert und die der Unternehmer dir zurückverkauft oder vermietet bis zum Es-geht-nicht-mehr. Die Wohnungen, das Gas, der Strom, das Nahverkehrsmittel, die Lebensmittel, kurz, das Leben.
So erzählen wir die Geschichte zweier Arbeiterfamilien, die sich abquälen und abkämpfen, wobei sie die Waffe des zivilen «Ungehorsam» gebrauchen. Und durch Konflikte und Polemiken kamen wir dahin, den Wert dieser neuen Form des Streiks zu erkennen; eines Streiks, den diesmal und endlich der Unternehmer bezahlen muss und nur er.
Die Triebfeder, der Schlüssel zum Ganzen, ist – wie schon in den alten Volks-Farcen aus dem Neapoletanischen und dem Venezianischen – der Hunger. Um das Problem des Appetits zu lösen, versucht jeder zunächst und ganz instinktiv sich auf eigene Weise durchzuschlagen, um dann das Bedürfnis zu verspüren, gemeinsam zu agieren, sich zu organisieren und vereint zu kämpfen, um mehr zu erreichen als das blosse Überleben, nämlich wahrhaft zu leben…..Als zufriedene Menschen leben! Wo der Wunsch zu lachen wie ein Fest aus dir hervorbricht! Der Wunsch , zu spielen und Feste zu feiern….und endlich eine befriedigende Arbeit zu leisten – wie menschliche Frauen und Männer und nicht wie halbverblödete Tiere… die ohne Freude und Phantasie dahinvegetieren!
Diese ganze Entwicklung haben wir versucht, mit Hilfe eines Theaters der «Situationen» zu zeigen, um nicht in ein ideologisches Didaktieren zu verfallen. ….denn ein Theater der Situationen zu machen bedeutet, eine Geschichte zu vertreten und nicht, sie zu spielen. Es bedeutet Verzicht auf das «Drama», das in der einzelnen Person und ihren privaten und individualistischen Probleme in ihrer Beziehung zu anderen entsteht und sich stattdessen den Problemen aller anderen innerhalb eines kollektiven «Dramas» zuwenden – den Problemen, die aus der „Situation“ in einem dialektischen Konflikt der Beziehungen entstehen und in ihr explodieren…)
(…Sie werden bemerkt haben , dass ich beim Sprechen immer wieder «wir» sagte, «wir haben gesagt», «wir haben die und die Entscheidung getroffen». Nun gut in Wirklichkeit habe ich den Text des Stücks niedergeschrieben und alleine zu verantworten, aber von der Lektüre des ersten Entwurfes bis zur Erstaufführung wurde der Text wieder und wieder diskutiert, nicht nur mit dem Kollektiv, sondern auch und vor allen Dingen mit Arbeitern und Avantgarden verschiedener Mailänder Fabriken, die in grosser Zahl an diesen Versammlungen zur Erarbeitung des Textes teilgenommen haben. Später haben wir dank den Diskussionen am Ende jeder Aufführung festgestellt, dass der Text noch Löcher hatte und das bestimmte Szenen anders verlaufen mussten. Das ist unserer Ansicht nach die korrekte Weise, im Kollektiv Theater zu machen.
Dario Fo, 1974 Italien
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Theater Workshop
We are organizing a theater workshop, as part of the week of anarchist and artistic processes “UP AGAINST” from 9 to 14 October, in Zurich.
The Workshop is based on Dario Fo’s play from the 70s “We Do not Pay”. We would like to discuss some of the scenes of this play with you, to interpret them in a contemporary context, and to playfully realize and ultimately perform them.
The Language of the play and Workshop will be in German.
A basic statement of the play is that the existence of the (proletarian) people fulfills only one purpose: to keep the machines of the factories running and to produce for the capital. About the fact that people are drawn from the very beginning of their live to becom screws, which hold the machines together. Do we still see it in the same way with our social background today? How do we experience oppression mechanisms?
In our production, too, we will start from a looting, as it is always dared in our context and warms our hearts (or bellies?). We shall use such a expropriation as a rapid start-up ramp in our following presentations of the play, to work with various social questions (which we have determined together), and to deal with it humorously and to take our position in it ourselves. In a similar way as Dario Fo writes in his introductory words, we also would like to discuss the context with the audience at the end of the performance, and thus integrate it into an active process about the “played” situations …
All who feel touched by the basic idea, are invited — whether they already have theater experience or not.
The piece can also be found printed, in Kernstrasse 14, in Zurich (in the flyer shelf). Knowledge about the play «Can’t pay, Won’t pay» might be advantageous but is not the condition to participate in the workshop and the play.
Workshop and Rehearsal:
Wednesday 11.10.17 18.00 clock to 23.00 clock
Thursday 12.10.17 18.00 clock until about 23.00 clock
Friday 13.10.17 18.00 clock until about 23.00 clock
Saturday evening: performance at UP AGAINST exact time and place still open
We will meet for the rehearsals at 6 pm in the concert / bar area of the Kochareal, Rautistrasse 22, Zurich
Since the idea of the theater-workshop and its performance is relatively spontaneous, we can’t estimate how many people would like to participate. You don’t have to let us know, but if you want, you can “sign up” already before the workshop starts on wednesday, via our e-mail address:
bezahltwird_nicht@gmx.ch
We look forward to meet you.
Gaja Plunder
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